Nachruf auf Harry Lorenz

Am 28. Februar 2019 verstarb der engagierte Sozialdemokrat Harry Lorenz im Alter von 84 Jahren nach einer schweren Lungenerkrankung. Am 22. März nahmen die Familie und viele gute Freunde Abschied.

Mit Harry Lorenz haben wir einen Granden der Monheimer Sozialdemokratie verloren. Seine Vielseitigkeit und sein überragendes Engagement für die SPD machten ihn einzigartig.

Noch als Kind erlebte er den Krieg mit. Dieses prägte seine politische Grundhaltung bis zum Schluss: Bewahrung oder gar Rettung der Friedenspolitik, des Antifaschismus, des Markenkerns „Sozialpolitik“ der SPD. Harry studierte in Heidelberg Werbung und blieb sein Leben lang begeisterter „Werber“. Er trug wesentlich zu den Willy-Brandt-Wahlsiegen 1969 und 1972 in der Kampagnen-Agentur ARE bei. Danach führte er eine eigene Agentur. Bereits 1957 trat er in die SPD ein und beging 2017 das 60. Jubiläum seiner Mitgliedschaft.

2006 zog er nach Monheim und war sofort eine der aktivsten anpackenden Stützen des Ortsvereins: mit Ideen, Gestaltungen, Forderungen nach öffentlichen Veranstaltungen und manchmal hartnäckigem Druck auf Mitaktive. Immer wieder erklärte er, dass Politik im Allgemeinen und die SPD kein Selbstzweck seien, dass sie dazu da seien, auf die Menschen zuzugehen, mit ihnen zu reden, sich ihre Sorgen und Nöte anzuhören und Lösungsansätze zu entwickeln.

Im Ortsvereinsvorstand war er lange Jahre Bildungsbeauftragter. Kaum jemand war zu den wichtigsten auch aktuellen Themen von „Grundsicherung“ bis „Digitalisierung“ so belesen wie er; und er teilte dieses Wissens über viele, viele schriftlich fixierte Konzepte mit sehr vielen Interessierten unter uns.

Harry war tief verwurzelt in unserer kleinen Stadt, ein Berliner mit leisen Tönen. Er organisierte jahrelang die Energiesparmesse und einige Geschichtsausstellungen, zu sehen in der VHS. Er war gerne bei den „Mittwochern“, einer netten Monheim-Runde, die gute Gespräche führte und Talente austauschte, und nahm aktiv teil am Politischen Gespräch – er wollte immer, dass sich die SPD bürger-öffentlich in den harten Dialog wagte. Er forderte, dass sich die Partei nicht in Saalveranstaltungen intern verkroch, sondern sich öffnete und das Gespräch mit den Menschen suchte. „Geht raus, hört den Menschen zu, redet mit ihnen, nehmt ihre Gedanken ernst und geht darauf ein. Und erzählt ihnen schon gar nicht, dass Ihr wisst, was gut ist für sie,“ so seine Kernforderung. Er schuf – hochkreativ wie immer – Totempfähle für das Stadtfest 2013, Indianerkunst im Raum, von denen noch heute einer im Marienburgpark zu sehen ist.

Harry privat – viel gab er über sich nicht preis. Genialer Fotograf der alten Berliner Mauer, er verfasste zauberhafte Gedichte, er war leidenschaftlicher Pfadfinder als Junge und blieb in jährlichen Treffen in Berlin seinen alten Freunden treu, er führte sein Leben lang Tagebuch und schrieb 2006 Erlebnisse aus seinem Leben auf, ein Schatz für seine Familie, er malte in den 90ern viele wunderbare Ölbilder.

Harry war ein Teil von uns. Er und seine Gedanken werden es immer bleiben. Unvergessen.