Chancen und Risiken der Digitalisierung Europa im digitalen Zeitalter

„Digitalisierung – ein spannendes Thema, das uns alle betrifft und unser Leben verändert“ eine Feststellung von Markus Thürmann, Geschäftsführer des NRW-Landesverbandes „Junge Europäische Föderalisten“ (JEF) zu Beginn seines Referats, zu dem er von der Monheimer Europa-Union in Kooperation mit der örtlichen VHS eingeladen war.

Aus dem breiten Themenfeld – von der Digitalisierung der Medizin, der Finanzen bis hin zur Überwachung am Arbeitsplatz – behandelte der Referent die beiden Kernthemen „Künstliche Intelligenz (KI)“ und „Soziale Medien“. Die Automatisierung – das Ausrüsten von Maschinen, damit sie ganz oder teilweise ohne Mitwirkung des Menschen bestimmungsgemäß arbeiten – ist uns allen bekannt. Heute wird sie abgelöst durch künstliche Intelligenz, die selbstständiges maschinelles Lernen ermöglicht, und intelligentes Verhalten automatisiert. Je nach Programmierung kann also ein digitales Fahrzeug durch künstliche Intelligenz selbständig entscheiden, ob es im Vorfeld einer Unfallsituation den eigenen Fahrer gefährdet, sich selbst zerstört oder andere Verkehrsteilnehmer verletzt.

Risiken der künstlichen Intelligenz sieht der Referent im nicht vorhersehbaren Verhalten von Algorithmen. So kann künstliche Intelligenz im Finanzbereich Finanz- und Arbeitsmarktkrisen auslösen, im Militärbereich können automatisierten Waffensysteme Konflikte beginnen. Darüber hinaus kann künstliche Intelligenz einzelne Gruppen diskriminieren – wenn sie fehlerhaft programmiert ist oder wenn Diskriminierung beabsichtigt ist. Nach Ansicht des Referenten kann künstliche Intelligenz zwar Arbeitsplätze gefährden, bietet aber auch die Chance der Reduzierung schwerer körperlicher Arbeit, der Produktivitätserhöhung und einer erhöhten Lebensqualität.
Was die USA und China bereits seit längerem praktizieren – jetzt will auch die Europäische Kommission die Weichen für eine breite Unterstützung der künstlichen Intelligenz in allen Bereichen stellen, KI Zentren fördern und KI Regelwerke festlegen.
Soziale Medien ermöglichen es Nutzern, sich im Internet zu vernetzen, Meinungen Erfahrungen oder Informationen auszutauschen. Die klassische Unterscheidung von Konsumenten und Produzenten entfällt, der Nutzer ist Produzent und Konsument in einer Person. Nur durch soziale Medien waren z.B. Aufrufe im Rahmen des Arabischen Frühlings möglich. Die negativen Seiten: Soziale Medien als Plattform für Hass und Desinformation, Schaffen von Echoräumen, in denen Nutzer ausschließlich ihre eigenen Ideen wiederfinden, mit der Konsequenz der geistigen Verarmung. Die EU hat demgegenüber ihre Kernziele zu sozialen Medien definiert: Transparenz, Vielfalt, Glaubwürdigkeit und Inklusivität. Mit der Verhängung von Strafzahlungen z.B. gegen Google und facebook verleiht die EU den europäischen Kernzielen Respekt.

In der nachfolgenden Diskussion wurden u.a. bedauert, dass soziale Medien durch US-amerikanische Unternehmen wie Google oder Facebook geprägt werden, dass Rating-Agenturen ausschließlich US-dominiert sind und dass in Europa der Wille zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Digitalisierung noch zu schwach ausgeprägt ist. Der Vorsitzende der Monheimer Europa-Union, Manfred Klein, beendete die Veranstaltung mit dem Aufruf: „Lassen Sie uns gemeinsam darauf hinwirken, dass Europa stärker zusammenwächst, damit wir im Bereich der Digitalisierung und auf allen anderen Feldern der Politik und der Wirtschaft gegenüber dem US-amerikanischen „America first“, dem Machtstreben Putins und Xi Jinping weiterhin als Partner auf Augenhöhe agieren können“.